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Chojnice - ehemaliges jüdisches Leben in Konitz

Die ersten Juden siedelten sich Ende des 18. Jahrhunderts in Konitz an. Früher war die Niederlassung in der Stadt für Juden nicht erlaubt, sie wohnten in Dörfern und auf Gütern der Umgebung und kamen höchstens zu Markttagen in die Stadt.

Nachdem im Rahmen der ersten polnischen Teilung Konitz 1772 zu Preußen kam, wurde das Ansiedlungsverbot aufgehoben und die ersten Juden ließen sich in Konitz nieder, zumeist Handwerker und kleine Kaufleute.

Mit dem Edikt betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in dem Preußischen Staate vom 11. März 1812 wurden die im Preußen ansässigen Einwohner jüdischen Glaubens auf Antrag preußische Staatsbürger und damit gleichberechtigte Bürger. Die Anzahl der Juden in der Stadt wuchs vor allem durch Zuzug ständig und erreichte bis 1900 etwa die Zahl von 500 Personen, bei einer Stadtbevölkerung von etwa 12.000 Personen.

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts wurde auch der Alte Jüdische Friedhof gegründet, 100 Jahre später folgte dann der Neue Jüdische Friedhof ganz in der Nähe. Um 1830 entstand auch die kleine Synagoge in Konitz, daneben das obligatorische Ritualbad (Mikwe).

Ab etwa 1820 gab es auch eine kleine jüdische Schule in Konitz, die aber zumeist nur von den wohlhabenden Familien genutzt wurde.

1900 kam es in Konitz zur Konitzer Mordaffäre infolge des Mordes an dem Gymnasiasten Ernst Winter. Der Mord war von dem Verleger und Politiker Wilhelm Bruhn als jüdischer Ritualmord bezeichnet worden. Bei einem anschließenden Pogrom wurde die Synagoge geplündert und in Brand gesteckt. Dieser Kriminalfall erregte Aufmerksamkeit in ganz Deutschland und führte an vielen Orten auch zu judenfeindlichen Ausschreitungen. (siehe hierzu auch den Artikel „Eine Reise durch die jüdische Kaschubei und ein ungelöster Kriminalfall“ aus der Jüdischen Allgemeine, Hrsg. Zentralrat der Juden in Deutschland, vom 28.09.2006)

Infolge der Verfolgungen verließen in Konitz viele Juden die Stadt und die jüdische Gemeinde wurde deutlich kleiner.

Das endgültige Aus für die jüdische Gemeinde in Konitz kam mit der deutschen Besetzung der Stadt von 1939-1945. Die Synagoge wurde sogleich zu Anfang niedergebrannt, die jüdischen Einwohner später zunächst in die Ghettos anderer Städte und dann in die Vernichtungslager deportiert.

Ein jüdisches Leben in Konitz ist damit für immer erloschen. Nur wenige Spuren sind geblieben, und es ist nicht einfach, ihnen zu folgen.

teilweise und fehlerkorrigiert nach einem Projekt der Zespół Szkół w Chojnicach über Georg Tuchler.