Hengelo Chojnice
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Der Report ist vollständig drei­sprachig in deutsch, nieder­län­disch und pol­nisch.

Er kann hier her­unter­ge­laden werden:

Nachrichten aus Emsdetten

10 Jahre Bandaustausch zwischen Emsdetten, Hengelo und Chojnice
„Gute Praxis” zur Integration von Jugendkulturarbeit in Städtepartnerschaften.

Evaluations-Report über die Zusammenarbeit von NGOs innerhalb von Städtepartnerschaften vorgelegt

Titelblatt des 92seitigen Reports

Vom 16. bis 20. Juni organisierte die Rockinitiative Emsdetten zusammen mit der Fundacja Rozwoju Ziemi Chojnickiej i Człuchowskie und dem Jugendzentrum Cerberus aus Hengelo eine Begegnungsfahrt mit 50 Teilnehmern von Emsdetten über Hengelo nach Chojnice. Anlass war die Ehrung der Jubiläen: 25 Jahre Deutsch-Polnische Freundschaft, 25 Jahre Städtepartnerschaft Hengelo mit Emsdetten und 20 Jahre Städtepartnerschaft Chojnice mit Emsdetten. Ebenfalls Anlass war, Rückschau zu halten auf das 10-jährige Bestehen des trinationalen Bandaustausches zwischen den Partnerstädten Hengelo, Emsdetten und Chojnice und neue Kraft zu schöpfen für die nächsten 10 Jahre! Gefördert wurde diese Begegnungsfahrt von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, den drei Partnerstädten sowie weiterer öffentlicher und privater Sponsoren.

Gemeinsam organisiert und veranstaltet wurden:

  • eine Evaluierungs-Konferenz mit Experten-Beiträgen aus dem Bandaustausch
  • ein von den jungen Leuten selbst organisiertes Open Air Festival auf dem Sportplatz Kolejarz 1926 mit Amateurbands aus Hengelo, Emsdetten und Chojnice, um die Qualität der über Jahre geknüpften trinationalen Freundschaft unter Beweis zu stellen,
  • ein trinationales Sonntag Nachmittags BBQ im Hotelgarten Na Skarpia Charzykowy zwecks fröhlich Sein und Entspannung sowie um Pläne zu schmieden für die Zukunft.

Adressaten von Konferenz und Open Air Festival in Chojnice waren:

  • Junge Leute und Jugendarbeiter aus dem Umfeld von NGOs
  • Menschen mit kognitiver Behinderung und solche, die in NGOs arbeiten, um diese Menschen zu unterstützen,
  • Menschen aus dem Bereich der Amateurkunst,
  • Einwohner der Region Chojnice.

Aus den 10 Jahren erfolgreichen Austausches von jungen Musikern zwischen den Partnerstädten lassen sich folgende Eckpunkte für "Nachahmer" herausstellen:

  1. Um junge Musiker, junge Bands und ihre Musik in städtepartnerschaftliche Arbeit zu integrieren, muss als erstes und wichtigstes ihr spezieller Lebens- und Musikstil akzeptiert werden. Eine junge Band aus der Partnerstadt zu einem Konzert auf dem Marktplatz während einer städtepartnerschaftlichen Begegnung einzuladen, ist zwar immer eine gute Idee, aber um einen nachhaltigen Austausch zwischen jungen Bands und ihren Fans zu starten, reicht es nicht.
  2. Ebenfalls bedarf es der Akzeptanz und Bereitschaft unter den jungen Leuten, ehrenamtlich zu arbeiten und auch eigenes Geld mit einzubringen.
  3. Mindestens 1 oder 2 nichtstaatlicher (NGO) Organisationsstrukturen von jungen Menschen müssen vorhanden sein, um mitzuhelfen bei der
    • Beantragung von Geldern von nationalen und internationalen Stiftungen,
    • Organisation von Konzerten in den Partnerstädten und um zu,
    • Einfädelung von Kommunikation zwischen lokalen Bands zwecks Zusammenarbeit,
    • Beheimatung von Projekten, Freiwillige zwischen den Partnerstädten auszutauschen,
    • Absprache mit Stadtverwaltungen sowie kommerziellen und privaten Sponsoren.
  4. Persönliche Freundschaften zwischen Musikern der Bands aus den Partnerstädten sind das A und O jeder partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Sie gewährleisten
    • eine verlässliche und vertrauensvolle Kommunikation und Verbindung,
    • die Bereitstellung privater Unterkünfte,
    • die Organisation und Garantie einer auf Dauer ausgerichteten Zusammenarbeit.
  5. Die Stadtverwaltungen sowie vorhandene Partnerschaftsvereine müssen realisieren, dass der Bandaustausch ein Mittel ist, partnerschaftliche Prozesse zwischen jungen Leuten zu fördern und ein gutes Fundament für langfristige Verflechtungen gibt.
  6. Es bedarf örtlicher Jugendzentren, um ohne viel Umstände Platz für Konzerte und Workshops zu haben und die JZ der Partnerstädte sollten Projekte miteinander machen.
  7. Die lokalen Bands müssen mit Veranstaltungsorten im Umkreis der Partnerstädte vernetzt sein.
  8. Ebenfalls ist es sinnvoll, mit verschiedenen NGOs innerhalb der Partnerstädte zusammenzuarbeiten, um Netzwerke zu bilden.
  9. Junge Leute haben normalerweise immer Geld nötig. Deshalb ist es notwendig, dass die Partnerstädte die Begegnungen junger Bands zusammen mit ihren Fans separat bezuschussen. Um Gelder von öffentlichen Stiftungen zu beantragen, bedarf es formaler Organisationstrukturen und einer Steuernummer, sonst können keine Fördergelder fließen!
  10. Drei weitere Merkmale des Bandaustausches zwischen Chojnice, Emsdetten und Hengelo hatten einen wichtigen Einfluss auf die Dauerhaftigkeit der Beziehung:
    • die Fähigkeit von Einzelpersonen, selbstorganisiert Konzerttouren in die Partnerstädte in deren Nachbarschaft zu machen.
    • die Integration von Musikern mit Behinderungen, um das emotionale Klima innerhalb der Zusammenarbeit junger Musiker positiv zu beeinflussen.
    • Selbstverwaltungsstrukturen innerhalb der beteiligten JZ.
  11. Zu guter Letzt ist es wichtig, dass neben persönlichen Freundschaften verlässliche Beziehungen zwischen den beteiligten Organisationen der Partnerstädte bestehen, um Kommunikationen über einen langen Zeitraum, aber auch Vertrauen und Verständnis sowie Akzeptanz für kulturelle Unterschiede zu garantieren.
  12. Abstrakte Anleitungen zu geben für den Aufbau subjektiver und persönlicher Beziehungen ist keine „gute Praxis“. Deshalb haben wir eine Menge lebendiger Beispiele in einem dreisprachigen Report zusammen geschrieben, die aufzeigen, was wir getan und erlebt haben.

Wir sind selber überrascht, dass der Bandaustausch zwischen Hengelo, Emsdetten und Chojnice nun bereits seid 10 Jahren erfolgreich läuft. Aber wir sind uns sicher, dass wir damit ein gutes Fundament geschaffen haben, auch in den nächsten Jahren damit weiter machen zu können.

Wir hoffen, dass unser Projektbericht so viele wie möglich andere städtepartnerschaftliche Verbindungen dazu inspiriert, die Jugendkulturszene in die Städtepartnerschaften zu integrieren!

Wenn wir ein Europa von unten haben wollen, dann müssen die jungen Leute dabei sein und Europa als IHR Ding sehen. Und Städtepartnerschaften sind ein guter Start, um sich zusammen zu schließen.

Vielen Dank an alle, die dabei waren oder diese Begegnung durch ihre Unterstützung und Zuschüsse ermöglicht haben.

Peter Ullrich, Kassenwart der Rockinitiative Emsdetten e.V.

aus: Pressetext Rockinitiative Emsdetten e.V. vom 04.10.2016