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Boekenweek

In jedem Jahr findet in den Nie­der­lan­den eine Bü­cher­wo­che statt. In die­sem Jahr ist es be­reits die 80. Boe­ken­week vom 12. bis 20. März. Im gan­zen Land gibt es Le­sun­gen und Ver­an­stal­tun­gen. Viele Au­to­ren kann man per­sön­lich ken­nen­ler­nen. In den Bib­lio­the­ken be­kom­men die Be­su­cher ein Bü­cher­wo­chen­ge­schenk.

Nachrichten aus Hengelo

Buchwoche 2016 zum Thema „Deutschland“

Anne Folkertsma

Start mit Themenabend „Hans Fallada“

Am vergangenen Dienstag wurde in der Stadtbibliothek Hengelo die Woche des Buches eröffnet. Die Leitung der Stadtbibliothek begrüßte die Besucher und freute sich auch über die Gäste aus Emsdetten. Sie machte darauf aufmerksam, dass - ganz dem Thema Deutschland gewidmet (und für Emsdetten passend zum 25jährigen Jubiläum der Partnerschaft mit Hengelo) sich im Eingangsbereich ein Büchertisch mit ausgewählten deutschsprachigen Büchern als Leihgabe der Stadtbibliothek Emsdetten befindet. Und sie wies auch auf die Ausstellung des Fotoclub Hengeloer Amateurfotografen hin, der während des ganzen Monats März Arbeiten mit Motiven zum Thema Deutschland präsentiert.

Ganz besonders herzlich kündigte sie die Lesung über die Biographie und das Schaffen von Hans Fallada durch Anne Folkertsma an. Folkertsma hat Germanistik und Übersetzungswissenschaften studiert und arbeitet für zahlreiche Verlage. Sie spricht ausgezeichnet und akzentfreies Deutsch und hat bereits viele Bücher Falladas in die niederländische Sprache übersetzt. Schließlich hat sie eine Biographie über ihn verfasst, die 2015 abgeschlossen und erschienen ist.

Die aufmerksamen Besucher konnten sich davon überzeugen, welch hervorragende Kennerin des Autors Fallada und seinen Büchern vor Ihnen stand. Sie spannte während ihres Vortrags einen weiten Bogen von der Geburt bis zum Tod des Autors. Keineswegs trocken und langweilig, sondern vielmehr angereichert mit vielen Zwischenstationen in seinem Leben und dem Vorlesen von Textbeispielen.

Anne Folkertsma stellte heraus, dass Fallada Erinnerungsbücher geschrieben habe, aus denen man viel über seine Herkunft, seine Familie und die damalige Zeit erfahren kann. Fallada wurde 1893 in Greifswald geboren und starb mit nur 53 Jahren wahrscheinlich an den Folgen seiner Alkohol- und Morphinsucht in Berlin-Niederschönhausen.

Nach wechselvoller und von vielen Problemen gekennzeichneter Schulzeit plante er mit seinem Freund 1911 einen Doppelsuizid, wobei sein Freund ums Leben kam und Fallada schwer verletzt überlebte. Danach war er auf Anraten seiner Eltern in die Psychiatrie gekommen. Später machte er eine Landwirtschaftslehre und wurde landwirtschaftlicher Verwalter. Obwohl er unter außerordentlichen harten Bedingungen arbeiten musste, blühte er auf dem Lande auf und profitierte vom strukturierten Alltag.

Fotoausstellung

Ganz besonders beeindruckt zeigte sich Anne Folkertsma von seinem Leben im mecklenburgischen Carwitz (Mecklenburg/Vorpommern), wo er einerseits in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit geschrieben habe, andererseits aber einer handfesten Tätigkeit im Garten nachging oder mit dem Fahrrad die schöne Landschaft befuhr.

Folkertsma zählte alle wichtigen Stationen im Leben Falladas auf und zeigte immer auch den Entstehungszeitpunkt seiner Bücher in diesem Kontext.

Immer wieder erklärte sie, dass Hans Fallada nichts anderes wollte, als Schriftsteller zu sein.

Nach einer kurzen Pause hatten die Besucher Gelegenheit, Fragen zu stellen. Zum Schluss stellte Anne Folkertsma heraus, dass das Werk von Fallada sicherlich im Zusammenhang seiner Entstehung zu betrachten ist, aber auch immer wieder Parallelen zur Gegenwart zu finden sind, und es sich bei seinen zahlreichen Werken auch um zeitlose und bedeutende Literatur handelt.

Das wird auch deutlich daran, dass Fallada nicht in den Bücherschränken verstaubt, sondern mittlerweile in 44 Sprachen übersetzt wurde und auch in den Niederlanden viel und gern gelesen wird.